Berufschancen Geographie Studium: Was machen Geographen?

Was ist Geographie und welche Berufschancen hast du nach einem Geographie Studium? Wo arbeiten Geographen genau und worauf solltest du im Studium achten? 

Fangen wir von vorne an. Erst einmal muss ich festhalten,  dass die Geographie von vielen Menschen mit der Geologie verwechselt wird. Geographie sei irgendetwas mit Steinen oder so. Dabei handelt es sich um grundverschiedene Disziplinen. Als Absolvent der Geographie will ich in diesem Artikel jetzt mal reinen Tisch machen und einen kleinen Überblick über das Geographie Studium geben und was du danach beruflich machen kannst. Eines möchte ich vorwegnehmen: Geographie ist weder Geologie noch „nur“ Erdkunde und als Geograph hast du durchaus gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Bedeutung von Geologie und Geographie?

Das Wort Geologie setzt sich aus zwei griechischen Begriffen zusammen: Geo (= Erde) und Logie (= Analysierend), also die „Erde analysierend“. Geographie bedeutet hingegen so viel wie „die Erde beschreibend“ (Graphie = Beschreibend). Das eine findet in der Erde, das andere findet oberhalb der Erde statt. Geographen beschreiben im Grunde genommen alle Prozesse, die oberhalb der Erde stattfinden. Geologen analysieren alles was unterhalb der Erde passiert – ganz pauschal gesagt.

Was für Räume beschreiben Geographen?

Alexander von Humboldt war zum Beispiel ein Geograph und zugleich Entdecker. Er bereiste seiner Zeit die Welt und beschrieb Regionen, die er gesehen und erkundet hatte. Damit gab er der heimischen Bevölkerung  einen Eindruck über fremde Welten in seinen Büchern. Geographen beschreiben auch heutzutage Räume. Das kann zum Beispiel ein Stadtquartier, ein Naturraum, ein Land oder ein Wirtschaftsraum sein. Dass hängt davon ab, welchen Schwerpunkt der jeweilige Geograph hat.

Kurze Anmerkung: Zwar sind Wohn- oder Esszimmer auch Räume, aber fallen in den Bereich von Architekten und Raumdesignern.

Welche Schwerpunkte gibt es in der Geographie?

Die Geographie wird grob unterteilt in Humangeographie und in die Physische Geographie.

Die Humangeographie beschäftigt sich, wie der Name erkennen lässt, mit Prozessen die in Wechselspiel zwischen Menschen und deren Interaktion in einem Raum stehen. Stichwörter sind Migration, Bevölkerungswachstum oder Stadtentwicklung  (Themen der Sozialgeographie). Wirtschaftspolitik, Wirtschaftswachstum oder Globalisierung gehören zu den Themengebieten der Wirtschaftsgeographie. Weitere wichtige Disziplinen sind Verkehrs-, oder ganz aktuell die Politische Geographie (auch Geopolitik genannt). In der Sparte Humangeographie gibt es viele Schnittstellen mit den Wirtschafts-wissenschaften und der Soziologie.

Die Physische Geographie hingegen unterteilt die Erde in bestimmte Räume und beschreibt ebenfalls Prozesse in Zusammenhang mit der Natur. Die Klimageographie beschäftigt sich beispielsweise mit verschiedenen Klimaregionen und wie diese zusammenhängen und funktionieren. Die Geomorphologie behandelt die verschiedenen Oberflächenformen der Erde und wie diese entstanden sind. Daneben gibt es noch die Bio-,  Boden-, und Hyrdogeographie. In diesem Gebiet der Geographie sind die Schnittstellen in der Geologie, der Biologie und der Klimatologie zu finden.

Welche Berufsfelder gibt es für Geographen?

Tja, das ist nicht so einfach zu sagen, denn das Berufsfeld hängt maßgeblich vom Schwerpunkt im Studium ab. Geographen sind im Grunde Generalisten, sie schauen aus der Vogelperspektive – ähnlich wie in Volkswirtschaftslehre – auf die Dinge und können daher in vielen Bereichen arbeiten. Ganz klassische Felder sind Stadtentwicklung und -planung, Verkehrsunternehmen, kommunale Wirtschaftsförderung und andere Behörden, Consulting  und Umweltorganisationen.

Aber werfen wir doch einen Blick in mein altes Umfeld. Was ist aus meinen KommilitonenInnen beruflich geworden: ein Lehrer, einer arbeitet im Research eines Internetunternehmens, eine Fitnesstrainerin, im Stadtentwicklungsbüro, als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, in einer Behörde, ALG 2-Empfänger und ich selbst arbeite im Marketing. Wie du siehst, sind Geographen sehr exotisch aufgestellt. Dies leitet zur nächsten Frage über: Worauf achten im Geographie Studium?

Worauf achten im Geographie Studium?

Am besten du suchst dir zu Beginn des Studiums bzw. nach deiner Orientierungsphase auf jeden Fall schon mal einen oder zwei Schwerpunkte im Studium, auf die du dich im Laufe Stück für Stück spezialisierst. Meine Schwerpunkte waren zum Beispiel Wirtschaft und Statistik.

Ich denke, es ist außerdem gut sich neben Softskills wie Selbstpräsentation (sich selbst oder seine Ideen verkaufen können) oder Netzwerken auch Hardskills anzueignen. Damit meine ich Texte verfassen, Statistik einigermaßen beherrschen oder den Umgang mit diversen Programmen erlernen (SPSS, Office, Programme von Adobe wie z.B. Photoshop). Also das, was du praktisch in der Berufswelt anwenden kannst. Denn sehr häufig sind Geographen Quereinsteiger.

Und die ganzen Theorien, die du auswendig lernen wirst, kannst du in den meisten Fällen, es sei denn du arbeitest in der Wissenschaft, im Berufsleben getrost vergessen. Das ist eben a part of the study game.

Nach dem Geographie Studium einen Master machen?

Zur Mitte und gegen Ende meines Studiums machte sich im Studiengang eine Hysterie breit. Viele Studierende hatten Angst nach ihrem Bachelor keinen Job zu finden, weil sie zu „unterqualifiziert“ seien, hatten aber sonst auch keinen Schimmer als was sie arbeiten wollen. Einige von Ihnen machten daher einen Master. Hallo? Ein universitärer Abschluss ist schon einiges wert! Aber stell du dir am besten selbst die Frage wo du hin willst. Der Bachelor qualifiziert durchaus für den Arbeitsmarkt. Schließlich habe ich auch einen guten Job gefunden. Mit dem Master kannst du dich auf bestimmte Bereiche spezialisieren. Die Universität Hannover bietet zum Beispiel Wirtschaftsgeographie als Master und die Universität Bremen den Master in Stadt- und Regionalentwicklung an.

Willst du dich spezialisieren? Dann tue es. Von einem Masterstudium aus eigener Perspektivlosigkeit rate ich ab. Und wer reich werden will, der braucht den Master schon gar nicht.

Würde ich nochmal Geographie studieren?

Ja, würde ich. Das Studium war sehr bunt und abwechslungsreich. Die Welt aus der Vogelperspektive zu betrachten war und ist genau mein Ding. Spezialisierung hin oder her, wer zu spezialisiert ist, verliert den Überblick über das Ganze und wird ein Fachidiot. Rückblickend würde ich aus dem Bereich Wirtschaft mehr Kurse belegen und während des Studiums intensiver an meinen Softskills und sozialen Fähigkeiten arbeiten. Denn meine wichtigste Erkenntnis nach dem Studium war: Wer sich nicht selbst gut verkaufen beziehungsweise andere Menschen von den eigenen Ideen nicht überzeugen kann, der steht hinten an. Zu diesem Thema habe ich übrigens noch eine eine Liste mit 6 inspirierenden Büchern zusammengestellt.

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