Altstadt Danzig

Danzig, Juwel an der polnischen Ostsee (Reisebericht)

Danzig? Wo liegt Danzig nochmal? Danzig? War da nicht die Westerplatte? Viele Menschen erinnern sich an Danzig, können die Stadt geographisch oder geschichtlich aber nicht richtig verorten.

Danzig (poln. Gdańsk) liegt aber etwa 350 Kilometer östlich von Stettin entfernt an der Danziger Bucht bzw. an der polnischen Ostsee. Danzig lag nicht immer im polnischen Staatsgebiet. Deswegen ist Danzig ist für Deutsche und Polen gleichsam eine geschichtsträchtige Stadt.

Danzigs Geschichte Anfang 20. Jahrhundert: Polnischer Korridor

Nach dem Ersten Weltkrieg verlief in dieser Region der sogenannte polnische Korridor. Ein schmaler Durchgang, der Polen durch den Vertrag von Versailles 1919 zugesprochen wurde und dem damaligen jungen Staat einen Zugang zur Ostsee verschaffte. Was die Deutschen damals ärgerte. Ostpreußen wurde durch den Polnischen Korridor vom Deutschen Reich abgetrennt und das Gebiet Westpreußens größenteils an Polen abgetreten. Außerdem wurde Danzig von den Siegermächten zur Freien Stadt erklärt und unter Völkerbundsmandat kontrolliert.

Schließlich begann 1939 mit dem Beschuss eines Munitionslagers auf der Westerplatte, durch den Kreuzer Schleswig-Holstein, der Zweite Weltkrieg . Im Frühlung 1945, in der Schlacht um Ostpommern, eroberten sowjetische Truppen Danzig. Die Stadt war weitestgehend durch Luftangriffe der Alliierten zerstört.

Nach Ende des Krieges wurden die ehemaligen Ostgebiete des Deutschen Reiches von den Sowjets an die polnische Regierung übertragen und die deutsche Bevölkerung weitestgehend vertrieben. Der Norden Ostpreußen, mit der Stadt Königsberg (heute Oblast Kaliningrad), verblieb hingegen im Machtbereich der Sowjetunion.

Machen wir nun eine kleine Zeitreise in die Zukunft.

Danzig Heute: etwa 70 Jahre später

Heute heißt die Stadt nicht mehr Danzig, sondern Gdańsk und gehört zur Dritten Polnischen Republik. Wir befinden uns nicht mehr in Westpreußen, sondern in der Woiwodschaft Pomorskie (dt. Verwaltungsbezirk Pommern*). Die Ketten des Kommunismus wurden mit Hilfe der polnischen Gewerkschaft Solidarność 1989 in Polen gesprengt, dessen Keim die Danziger Werft (poln. Stocznia Gdańska) war. Der eiserne Vorhang existiert schon lange nicht mehr.

Danzig ist großenteils wiederaufgebaut, restauriert und im Sommer ein wahrer Touristenmagnet. Nicht nur wegen der großen Danziger Altstadt mit zahlreichen Bars, Restaurants und Bernsteinhändlern, sondern weil es an der polnischen Ostsee (Danziger Bucht) liegt. An der Küste gibt es kilometerlange Sandstrände, die von Gdynia (dt. Gdingen) bis nach Kaliningrad und weiter in die baltischen Staaten reichen. Die Region hat sich neben Warschau und Posen zu einem wirtschaftlichen Zentrum Polens entwickelt. Große Unternehmen wie Intel, Bayer und Dr. Oetker haben sich angesiedelt und machen Business in Polen.

*Info: Das Wort Pommern stammt aus dem slawischen “po more” und bedeutet übersetzt “am Meer” (morze = polnisch für “Meer”).
Danziger Altstadt mit Krantor
Danziger Altstadt mit Krantor

Danzig Sehenswürdigkeiten

Im historischen Kern der Danziger Altstadt legen heutzutage keine Handelsschiffe mehr an, sondern nachgebaute Piratenschiffe, die die Touristen an beliebte Orte bringen. Was gibt es denn in Danzig noch so an Sehenswürdigkeiten oder Dinge, die man tun sollte?

  • Rundgang durch die Danziger Altstadt (z.B. Neptunbrunnen)
  • Hafenrundfahrt zur Westerplatte
  • Marienkirche besichtigen
  • Europäisches Solidarność-Zentrum (Europejskie Centrum Solidarności)
  • Museum of the Second World War (Muzeum II Wojny Swiatowej)
  • Ausflug zur Insel Hel, den Badeort Sopot oder Gdynia
  • Strand: von Danzig Oliwa nach Sopot, Gdynia wandern
  • usw.

Wer shoppen will, sollte mal das Einkaufszentrum “Galeria Bałtycka” im Stadtteil Wrzeszcz besuchen. Außerdem auf jeden Fall die polnische Küche und Milchbars (poln. Bar mleczny) ausprobieren (dazu gleich mehr).

Dreistadt: Danzig, Zoppot, Gdingen

An Danzig grenzt die Stadt Sopot (dt. Zoppot) und an Sopot wiederum Gdynia (dt. Gdingen). Das ganze Konglomerat wird Trójmiasto (dt. Dreistadt) genannt und beherbergt knapp 750.000 Menschen.

Sopot

Zoppot war zu preußischen Zeiten ein beliebter Bade-und Kurort. Heute ist Sopot unter den jungen Polen bekannt als St. Tropez oder Ibiza an der polnischen Ostsee. In Sopot machen viele junge Menschen im Sommer Urlaub und lassen am Strand und abends auf der Fußgängerzone und Partymeile “Montecassino” sprichwörtlich die Puppen tanzen. Der Präsident des europäischem Europarats Donald Tusk hat seinen Wohnsitz in Sopot und so manch Millionär lässt sich gerne für ein paar Tage im Grand Hotel Sopot nieder. Auch Adolf Hitler residierte 1939 in diesem noblen Hotel. Schauspieler Klaus Kinski wurde in Sopot geboren und ist dort aufgewachsen.

Strand Sopot (Zoppot)
Strand Sopot (Zoppot)

Gdynia

Weiter nördlich liegt Gdingen. Eine sehr junge Hafenstadt an der Mündung eines Urstromtals. Gdingen war ein kleines Fischerdorf, das nach dem Ersten Weltkrieg an Polen als Teil des polnischen Korridors angegliedert und infolgedessen zur Hafenstadt ausgebaut wurde. Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde die Stadt von der Wehrmacht eingenommen, in Gotenhafen umbenannt und zum Kriegshafen ausgebaut. Als der Zweite Weltkrieg vorüber war, wurde die Stadt schließlich wieder in Gdynia umbenannt.

Gdynia Stadtzentrum
Gdynia Stadtzentrum

Architektonisch, bis auf den avantgardistischen Kern im Zentrum, sieht Gdynia relativ trist und öde aus. Es gibt eine kleine Skyline und viel Plattenbau. Dieser ist zum Glück eingebettet in viel Grün und in kleine Täler. Ich nenne diese für Polen typischen Plattenbauten gerne “Koffer”.

In Gdynia gibt es viel Strand und ein paar wunderschöne Steilküsten. Im Sommer kann man es dort ganz gut aushalten. Oben auf den Hängen und in den Wäldern stehen noch einige deutsche Geschütze und Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Bunker ist wegen Bodenerosion von der Steilküste ins Wasser gekracht. Auf ihm steht folgenden Satz geschrieben: Look where is your empire now?

Gdynia ist zwar nicht die schönste Stadt, gilt in Polen aber als Treffpunkt für Künstler. Einmal jährlich gibt es ein Filmfestival. Einige Stars aus der polnischen Filmindustrie zieht es immer wieder in die Stadt an der Danziger Bucht. Beliebt ist besonders Gdynia Orłowo (siehe Video). Dort stehen einige pompöse Villen auf den Hängen. Der ehemalige deutsche und polnische Boxer Dariusz Michalczewski residiert hier.

Exkurs: Speisen in Polen: Milchbars

Es gibt sie in fast jeder polnischen Stadt (auch in Danzig): Milchbars (poln. Bar mleczny)! In einer Milchbar bekommt man polnische Gerichte zu relativ günstigen Preisen. Sie funktionieren wie Kantinen und hatten in der Vergangenheit die Aufgabe, bestimmte Bevölkerungsteile preiswert mit vegetarischem Essen zu versorgen. Dazu gehörten vorwiegend Milchspeisen.

Und wenn wir schon über polnische Küche sprechen, dann dürfen natürlich Pierogi, Bigos und Kiełbasa (Sammelbegriff für polnische Wurst) nicht unerwähnt bleiben.

Pierogi im Supermarkt
Pierogi im Supermarkt

Die polnische Küche ist nichts für schwache Nerven und überaus deftig. Aber wenn es mal schwer im Magen liegt, was hilft dann? Wodka! Wodka dient in Polen für viele Gebrechlichkeit als Allheilmittel. So erzählte mir ein Pole, dass er nach dem Weihnachtsschmaus bei der Familie schlimme Magenschmerzen bekam und seine Großmutter ihm darauf zwei Shots Wodka verordnete. Die Magenschmerzen waren weg. Na zdrowie (Prost)!

Urlaub in Danzig

Wenn ich sage, ich fahre nach Danzig, wird meistens gefragt: Danzig? Wo liegt denn das nochmal? Wenn ich dann Polen sage, ernte ich häufig nur fragende Blicke. Polen? Was willst du in Polen? Das Image Polens ist in vielen Teilen der deutschen Bevölkerung nicht das beste. Viele halten es für ein rückständiges und armes Land im Osten Europas.

Tatsächlich hatte das Land nach der Transformation von der Zentralwirtschaft hin zu freien Marktwirtschaft massive ökonomische Probleme: hohe Arbeitslosigkeit, hohe Infaltion und Armut.

Steil bergauf  ging es mit Polen seit dem EU-Beitritt im Jahr 2004. EU-Fördergelder ermöglichten massive Investitionen in Infrastruktur und befeuern die polnische Wirtschaft. Mehr und mehr ausländische Unternehmen siedeln sich an, außerdem wirkte die EM 2008 wie ein Konjunkturprogramm. Ob das mit der 2015 neu gewählten Regierung in Warschau unter Schirmherrschaft von Jarosław Kaczyński und der Partei PiS in Zukunft so weitergeht, bleibt abzuwarten. Sie scheinen einen Kurs zu verfolgen, der Polen eher in einer erzkonservativen Zukunft sieht.

Was ich an Danzig und der Region Dreistadt insgesamt immer wieder interessant finde, sind Relikte aus deutscher Zeit und die gemeinsame jahrhundertealte Geschichte zwischen Polen und Deutschen. Dazu gehören nicht nur die vielen älteren deutschen Urlauber, die es jedes Jahr in die Stadt verschlägt, sondern auch historische Gebäude und eben die chaotische Geschichte der Stadt und Region Dreistadt selbst.

Außerdem sind die kilometerlangen Sandstrände und die wunderschöne Natur mit ihren vielen Seen und Wäldern im Hinterland (z.B. die Kaschubei) auf jeden Fall einen Blick wert.

Urlaub in Danzig: Anreise

Zu guter Letzt: Wie kommst du am besten nach Danzig? Außerhalb der Stadt steht der Flughafen “Port Lotniczy Lech Wałęsa”. Wizzair fliegt den Flughafen direkt von Dortmund aus an. Vom Flughafen Danzig fährt ein Schnellbus in das Stadtzentrum.

Ansonsten bietet sich Berlin als Drehkreuz an. Von hier aus fahren Busse vom ZOB (z.B. PolskiBus) Richtung Danzig. Kostenpunkt: zirka 15 Euro. Dauer: 10 Stunden.  Seit der EM 2008 besteht außerdem eine Direktverbindung mit dem Zug zwischen Danzig/Gdynia und Berlin: Berlin-Gdynia-Express. Die Fahrt dauert ungefähr sechs Stunden und kostet etwa 39 Euro.

Diskussion: Warst du schon mal in Danzig und wenn ja, wie waren deine Erfahrungen?
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Geograph mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Statistik, leidenschaftlich interessiert an Wirtschaft, Marketing und Psychologie.

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