Schmeckt teurer Wein wirklich besser?

Schmeckt teurer Wein wirklich besser als die billige 2-Euro-Plöre von Aldi? Ja, aber sicherlich! Teurer Wein schmeckt tatsächlich meistens besser als billiger Wein. Dafür gibt es auch einen ganz einfachen Grund: Marketing-Placebo-Effekt.

Bei Wein und besonders bei Rotwein scheiden sich die Geister häufig darüber, ob der Preis tatsächlich für den Geschmack des Weins eine wichtige Rolle spielt. Sprich: Muss leckerer Wein immer teuer sein? Laut wissenschaftlicher Forschung schmeckt teurer Rotwein tatsächlich meistens besser!

Marketing-Placebo-Effekt und teurer Wein

Forscher der Insead Business School an der Universität Bonn haben in einem Experiment herausgefunden, dass ihren Studienteilnehmern der teurere Wein durchschnittlich besser geschmeckt hat als der günstigere – obwohl der Wein jedes Mal der gleiche blieb. Den Teilnehmern wurde vor der Kostprobe lediglich immer ein unterschiedlicher Preis mitgeteilt. Alter Wein in neuen Schläuchen.

Dein Gehirn gaukelt dir also einen besseren Geschmack vor, je teurer der Wein ist. Der Preis dient als Signal und stimuliert bestimmte Bereiche im Gehirn (Frontalhirn und ventrales Striatium), die uns teuren Wein schmackhafter erscheinen lassen. Deswegen mundet teurer Wein also meistens automatisch besser – sofern du den Preis vorher kennst. Eine selbsterfüllende Prophezeihung.

Die Bonner Forscher sprechen hier vom “Marketing-Placebo-Effekt“.

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Preis als Zeichen der Exklusivität

Wie du gesehen hast, schmeckt dir teurer Wein meistens wirklich besser. Du musst nur den Preis vorher kennen. Also bietet es sich in Zukunft an, den Wein zu probieren, ohne vorab den Preis zu kennen. Oder?

Aber wie kommen die hohen Preise, von zum Beispiel französischem Rotweinen, zustande? Diese Frage möchte ich anhand von Rotwein aus Bordeaux erklären. Ich denke, Bordeaux ist eines der bekanntesten Weinbauangebiete in der Welt. Hier stammt auch mitunter der teuerste Rotwein her. Aber warum gerade aus Bordeaux?

Bordeaux ist eine traditionsreiche Marke

Bordeaux ist ein international bekanntes Aushängeschild für Rotweine. Eine Marke, die sich schon seit dem Mittelalter entwicklet hat. Die Geschichte des Weinanbaugebiets ist mehrere Hunderte Jahre alt. Schon allein deswegen verbinden Weintrinker aufgrund der sehr langen Tradition erstklassige Rotweine, wenn der Name Bordeaux auf dem Etikett auftaucht.

Willst du gelten, mach dich selten

Die Weinanbaugebiete (Appelationen) im Bordelais sind von unterschiedlicher Größe und geographischer Lage. So befinden sich die Appelationen “Médoc” zum Beispiel am linken Ufer und “Entre-Deux-Mers” am rechten Ufer des Flusses Garonne.

Innerhalb der Anbaugebiete gibt es wiederum bestimmte Güter (Châteaus), die Wein produzieren und die anhand fester Klassifikationssysteme in Kategorien unterteilt sind. Die höchste Klassifikation ist hierbei die “Premier Grand Cru Classé”, die von den über 3.000 Châteaus nur äußerst wenigen zuteil wird. Ganz wenigen.

Insgesamt gilt für alle Weine aus Bordeaux die einfache Regel: Je hörer die Klassifikation, desto teurer auch der Wein. Eine hohe Klassifikation bedeutet hohe Exklusivität und dementsprechend einen deftigen Preis. Der Preis eines Weins aus der Region hat also viel weniger mit dem Geschmack zu tun als mit der Exklusivität, die der Wein für die Kundschaft ausstrahlt. Menschen sind bereit für Exklusivität mehr Geld zu bezahlen (siehe Veblen-Effekt).

Teurer Wein schmeckt besser

Tja, schmeckt ein teurer franzöischer Rotwein der Premier Grand Cru Classé nun besser als ein durchschnittler Wein? Wahrscheinlich ja, wenn du den Preis vorher kennst. Der Marketing-Placebo-Effekt hat aber seine Grenzen. Bekommst du zum Beispiel einen Tetrapack-Wein von Penny als teuren französischen Rotwein vom Sommelier verkauft, könntest du den Unterschied eventuell doch bemerken.

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